Leishmaniose, eine "Mittelmeer"krankheit

Corona-Einschränkungen Adé! Der Sommer beginnt und es zieht unsere Gedanken in südliche und warme Gebiete. Vielleicht geht der Sommerurlaub dieses Jahr an den Gardasee oder nach Kroatien?

Viele Hundebesitzer möchten dabei nicht auf ihre geliebten Vierbeiner verzichten und nehmen sie daher gerne mit in den Urlaub.

Dabei gibt es bei Reisen südlich der Alpen jedoch wichtige Dinge zu beachten. Die dort heimischen Infektionserreger und ihre Überträger sind völlig Andere als in Deutschland (noch- dies ändert sich aber mit steigenden Temperaturen).


Den Fokus in diesem Artikel legen wir auf die Leishmanien, genauer auf die Unterform: Leishmania infantum = Auslöser der Leishmaniose. Wir werden jedoch nur von Leishmanien reden.

Es handelt sich hierbei um einen einzelligen Parasiten der sich in seine Wirtszellen einschleust und über Sandmücken übertragen wird.

Sandmücke (Phlebotomus) Quelle: ESCCAP

Empfänglich hierfür sind nahezu aussschließlich Hunde und Menschen, seltener wurde eine Erkrankung bei Katzen, Pferden oder Wiederkäuern nachgewiesen.


Eine kurze Theorieepisode zum verrücktem Leben der Leishmanien und Sandmücken:


Eine infizierte Sandmücke trinkt an einem Wirt und gibt dabei die begeißelte Form der Leishmanien in die Haut ab. Dort wird sie von den Fresszellen des Immunsystems aufgenommen. Diese sind aber leider genau ihr Ziel, denn dort können sie sich in die unbegeißelte Form weiterentwickeln. Diese unbegeißelte Form wird dann aus den körpereigenen Zellen freigesetzt und kann wiederrum andere Körperzellen infizieren. Der Hund oder der Mensch sind nun infiziert. Um diese Infektion weiter zu tragen, braucht es wiederrum eine Sandmücke. Diese sticht den Wirt/das Opfer und nimmt mit dem Blut auch Fresszellen auf, welche wieder rum begeißelten Leishmanien enthalten. Diese entschlüpfen nun diesmal im Darm der Mücke, vermehren sie sich dort über Teilung und wandern in den Saugapparat. Dadurch beginnt der Zyklus bei der nächsten Mahlzeit der Mücke erneut.


Quelle: Parasitus EX e.V www.parasitosen.de

Fazit aus diesem Abschnitt: Einmal infiziert bleiben Hund und Mensch lebenslang Träger des Parasiten und dienen, bei vorhandener Sand- und Schmetterlingsmückenpopulation, als Infektionsquelle für die nächsten Hunde und Menschen.


Wo leben diese winzigen Parasiten und ihre Überträger?


Leishmanien sind vorallem in Süd- und Südosteuropa verbreitet, aber auch im Nahen Osten und in weiteren außereuropäischen Regionen. In einigen Gebieten sind bis zu 50% der Hundepopulation mit Leishmanien besiedelt.

Quelle: ESCCAP

Die Überträger der Parasiten haben bereits einen etwas weiteren Wirkungskreis und sind zunehmend auch in Süddeutschland und bis rauf nach Hessen (Fund in Gießen 2013) zu finden. Die Informationen dazu sind recht spärlich , was auch daran liegt, dass die Sandmücke sehr unscheinbar ist. Sie ist lediglich 2 mm lang und durch ihre Farbe auf der Haut nahezu unsichtbar. Lediglich ihre großen schwarzen Augen sind auffällig. Für Ihre erste Aktivität des Jahres benötigen sie drei Nächte mit mindestens 20°Celcius. Bei Nächten unter 15°C verschwindet die Population wieder. Zusätzlich sind Sandmücken sehr windempfindlich und fliegen ausschließlich nachts. Ihr Stich ist sehr schmerzhaft für ihre geringe Größe, weshalb sie mehr Erfolg bei schlafenden Opfern haben, zumal sie eine Saugzeit von 2-5 Minuten benötigen.

Was passiert, wenn mein Hund gestochen wurde?


Die meisten infizierten Hunde zeigen keine Symptome. Treten klinische Symptome auf, können diese, je nach Immunantwort, unterschiedlich sein.

Veränderungen an der Einstichstelle sind häufig erste Anzeichen, fallen aber den meisten Tierbesitzern nicht auf. Typische Bereiche für Sandmückenstiche sind Ohrränder, Nase und Bauch. Weitere typische Anzeichen der Leishmaniose sind vergrößerte Lymphknoten, Gewichtsverlust, Inappetenz und Schwäche. Es gibt eine Hautform der Erkrankung, die nicht mit Juckreiz einhergeht. Sie zeigt sich in Fellverlust, Hautgeschwüren, Hautverdickungen und starken Hautentzündungen.

Quelle: Veterinärmedizinische Parasitologie

Allgemeinsymptome wie Verlust der Muskulatur, Milzvergrößerung, Nasenbluten, blutiger Harn- und Kotabsatz sind beschrieben. Ebenso können Gelenks-, Nieren-, Hirnhaut- und Augenentzündungen auftreten. Es wird deutlich, dass die Symptome sehr vielfältig sind.

Ohne Therapie kann es zu schweren klinischen Problemen kommen, die zum Tod der Tiere führen können.

Wie wird die Diagnose Leishmaniose gestellt?


Zeigt der Hund verdächtige Symptome und ein Auslandsaufenthalt liegt in der Vergangenheit, begründet dies eine Verdachtsdiagnose. Durch eine Blutprobe können Leishmania-spezifische Antikörper nachgewiesen werden. Ein Antikörpernachweis ist 6 - 8 Wochen nach Erstinfektion möglich. In subklinischen Fällen kann dieser Zeitraum jedoch über Jahre ausgedehnt sein!

Auch ein zytologischer Nachweis aus Lymphknoten- oder Knochenmark (in Haut- und Blutproben ist die Sensitivität gering).


Was sollte ich vorher tun, wenn ich meinen Hund mit in den Urlaub im Süden nehmen möchte?


Ein rechtzeitiger Besuch beim Tierarzt vor Reiseantritt (bitte nicht erst 1 Woche vor Urlaubsbeginn!) ist empfehlenswert um nicht nur Reiseformalitäten, sondern auch die Infektionsprophylaxe zu besprechen.


1. Prophylaxe durch Insektizide

Das Hauptaugenmerk liegt darauf, einen Sandmückenstich am Hund zu vermeiden, um die Übertragung des Leishmanioseerregers zu verringern. Wir empfehlen den Einsatz von Mitteln (Spot-On‘s oder Halsbänder) mit repellierender Wirkung (Sandmücken empfinden den Wirt als sehr abstoßend) gegen Sandmücken.

Quelle: Elanco / Bayer

Die regelmäßige Applikation dieser Wirkstoffe während des gesamten Aufenthaltes und der Saison der Sandmücken ist entscheidend.


2. Prophylaxe durch Leishmaniose Impfung

Es gibt eine Leishmaniose Impfung (ab einem Alter von 6 Monaten) zur aktiven Immunisierung von nicht infizierten Hunden. Sie senkt das Risikos für die Entwicklung einer aktiven Infektion und/oder einer klinischen Erkrankung nach Kontakt mit Leishmanien. Die Impfung verhindert die Infektion mit Leishmanien jedoch nicht!


Die Impfung sollte mindestens 4 Wochen vor Reiseantritt erfolgen (Beginn der Immunität) und verliert nach einem Jahr ihre Wirksamkeit (Dauer der Immunität).


3. Prophylaxe durch Einschränkung im Urlaubsort

Die Exposition von Hunden gegenüber Sandmücken kann minimiert werden, durch engmaschige Mückennetze an Fenster/ Türen. Nach Einbruch der Abenddämmerung sollten Hunde im Haus gehalten werden.


4.Den Hund vielleicht doch lieber zu Hause lassen?!

Die allgemeine Empfehlung des ESCCAP ist, dass in Deutschland gehaltene Hunde nicht in Regionen mitgenommen werden sollten, in denen die Leishmaniose und weitere Mittelmeerkrankheiten endemisch sind.


Unser Fazit:


Leishmaniose ist eine unheilbare Krankheit, die nicht immer ausbricht. Die Behandlung bei klinischer Manifestation ist nur mit Chemotherapeutika möglich und führt trotzdem nur zur Linderung der Symptome und Senkung der Infektionslast. Eine vollständige Ausheilung ist nicht möglich! Für die meisten Hunde endet die Leishmaniose tödlich.

Vor Reisen in südliche Länder sollte also gut überlegt sein, ob man seinen Hund nicht besser zu Hause bei Freunden/ Familie /in einer guten Betreuung/ Hunde-Pension lässt. Wenn der Vierbeiner dennoch mit auf Reisen geht, sollte man sich frühzeitig um die prophylaktischen Maßnahmen kümmern. Sprecht bitte mit eurem Haustierarzt über eure Reisevorhaben mit Hund.

Die Kombination aller Prophylaxe-Maßnahmen: Insektizide gegen Sandmücken + Leishmanioseimpfung + örtliche Expositionsvermeidung sind optimal.

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