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Euthanasie

Euthanasie – wann sollte oder muss ich mein Tier gehen lassen?


Zum Leben gehört auch der Tod, das ist eigentlichen jedem gesunden Erwachsenen klar. Dennoch sind viele Besitzerinnen und Besitzer damit überfordert und oft auch überrascht, wenn sich das Ende von ihrem geliebten Haustier nähert. Oft ist dieses Ende schon längere Zeit vorher absehbar. Da es uns einerseits sehr wichtig ist, über das Thema Euthanasie aufzuklären und gleichzeitig auch die Angst vor diesem Schritt zu nehmen, widmet sich der folgende Beitrag dem Lebensende von unseren pelzigen Familienmitgliedern.


Einschläfern einer geliebten Haustieres
Euthanasie einer Katze

Warum ist es wichtig, sich als Tierhalter:in mit dem Thema Euthanasie zu beschäftigen?


Der Hauptgrund, warum wir über dieses schwierige Thema aufklären wollen, ist der oft unpassende Umgang mit dem Thema Tod des eigenen Tieres. Leider kommt es manchmal vor, dass Besitzer:innen viel zu lange Warten. Nun stellt sich natürlich die Frage, warum so viele Tiere am Ende ihres Lebens noch so unnötig leiden müssen, obwohl sie doch eigentlich von ihrer Familie geliebt werden?!


Unwissenheit

Einerseits liegt das teilweise an Unwissenheit der Besitzer:innen. Natürlich können medizinische Laien den Gesundheitszustand ihres Tieres nicht so gut einschätzen wie Tierärztinnen und Tierärzte und übersehen deshalb für uns offensichtliche Probleme und Leiden ihres Lieblings. Deshalb ist es umso wichtiger, dass insbesondere ältere Tiere regelmäßig in einer Tierarztpraxis vorgestellt und untersucht werden, damit man rechtzeitig eine Behandlung beginnen kann, auch wenn sie nur rein palliativ und symptomatisch ist. Manche Tiere waren jahrelang nicht in veterinärmedizinischer Behandlung und sind dann oft schon in einem so schlechten Zustand, dass wir nicht mehr viel für sie tun können. Das ist insbesondere dann sehr traurig und frustrierend, wenn man bei einer rechtzeitigen Vorstellung das Tier noch ursächlich oder zumindest deutlich lebensverlängernd hätte behandeln können.


Verdrängung

Viele Tierbesitzer:innen möchten es einfach noch nicht wahrhaben, dass das Leben ihres geliebten Tieres zu Ende geht, auch wenn ihnen die tiermedizinischen Gründe dafür bekannt und verständlich sind. Sie übersehen dann offensichtliche Symptome oder reden sich den Zustand ihres Tieres schön, weil sie emotional noch nicht verarbeitet haben, dass sie bald Abschied nehmen müssen. Oft hilft es in solchen Fällen, Familienmitglieder oder gute Freunde zu fragen, die das Tier zwar gut kennen aber nicht täglich sehen. Mit etwas Abstand kann der Zustand und die Lebensqualität des Tieres oft besser beurteilt werden als von den sehr emotionalen Besitzer:innen, die das Tier täglich pflegen und versorgen und Angst vor dem Ende haben.


Ist es nicht noch zu früh?

Natürlich gibt es nicht nur Negativ-Beispiele beim Thema Zeitpunkt einer Euthanasie. Zum Glück bereiten sich auch viele Besitzer:innen emotional auf das Ende des Lebens ihres Tieres vor und suchen rechtzeitig unseren Rat. Manchmal kommt tatsächlich die Frage auf, ob eine Euthanasie denn „schon“ angemessen sei und ob es noch zu früh sei. Die genauen Zeichen, die für eine baldige Euthanasie sprechen, werden weiter unten in diesem Artikel besprochen, aber vorab möchte ich bereits sagen: Kaum eine Haustierhalterin oder ein Haustierhalter fällt eine Entscheidung zur Euthanasie leichtfertig oder denkt grundlos darüber nach. Wenn man als Frauchen oder Herrchen an dem Punkt angelangt ist, sich zu Fragen ob das Leben des geliebten Tieres noch lebenswert ist, hat das Tier oft schon offensichtliche Leiden. Niemand, der sein Tier wirklich liebt und umsorgt, möchte es früher gehen lassen als nötig. Deshalb sollte man Gedanken an den Wunsch, dass der Hund doch einfach friedlich im Schlaf im Körbchen sterben sollte oder dass die Katze bald von seinen Leiden erlöst wird, sehr ernst nehmen. Bei vielen Erkrankungen hat man bei rechtzeitigem Erkennen noch einen gewissen Spielraum, wann man die Euthanasie durchführen möchte. Wenn beispielsweise bei einem Tier mit einem bösartigen Tumor bereits Lungenmetastasen festgestellt werden und es dem Tier zu diesem Zeitpunkt aber noch ausreichend gut geht und es keine Atemprobleme hat, kann man guten Gewissens das Tier noch palliativ behandeln und erst bei einer Verschlechterung des Zustandes eine Euthanasie durchführen. Ebenso halten wir es es aber unter Umständen bei einer äußerst ungünstigen Prognose, beispielsweise bei sehr aggressiven Krebsarten, und / oder einer Metastasierung für vertretbar, das Tier bereits nach Diagnosestellung zu euthanasieren, wenn bisher noch keine Symptome aufgetreten sind aber die zu erwartende restliche Lebenszeit sehr kurz und die zu erwartenden Leiden sehr groß sind. Im Endeffekt hängt der genaue Zeitpunkt der Euthanasie immer von den genauen Umständen der Erkrankung(en), dem Gesamtzustand des Tieres und der Einschätzung der Besitzer:innen und Tierärzt:innen ab.

Was uns an dieser Stelle wichtig zu sagen ist: Man sollte ein unheilbar krankes Tier im Zweifel lieber zu früh euthanasieren als zu spät. Niemand möchte sein Tier unnötig leiden sehen und sich am Ende Vorwürfe machen, dass man zu lange gewartet hat. Denn der Anblick von Tieren, die bereits im Sterben liegen, ist für keine Beteiligten schön anzusehen und am meisten leidet natürlich das Tier selber drunter. Dazu sei ebenfalls gesagt, dass Tiere in den allermeisten Fällen NICHT schnell sterben. Natürlich gibt es Erkrankungen, die zu einem sehr schnellen und oft auch überraschenden Tod führen, beispielsweise bei geplatzten abdominalen Tumoren. Die meisten Tiere sterben aber über mehrere Tage oder teilweise sogar Wochen hinweg, in denen sie langsam verhungern, verdursten, innerlich austrocknen. Kein Lebewesen hat so einen langen Tod verdient. Leider kursieren insbesondere im Internet immer wieder Empfehlungen, dass man ein Tier doch einfach in Ruhe alleine Sterben lassen sollte, wenn es sich scheinbar zum Sterben zurückzieht. Solche Empfehlungen machen uns fassungslos und unendlich traurig, denn erstens liegen Tiere nicht immer im Sterben, wenn sie sich zurückziehen, sondern benötigen oft nur medizinische Behandlung und zweitens sollte kein Tier einsam und allein mit Schmerzen, Frieren, Hunger, Durst usw. sterben müssen.

Ganz entscheidend dabei ist es, sich daran zu erinnern, dass nur die Lebensqualität zählt und nicht die Lebensdauer. Kein Tier der Welt hat etwas davon, wenn es einen Altersrekord aufstellt und dabei aber täglich starke Schmerzen hat. Die Lebensqualität sollte immer an erster Stelle stehen, denn ein kurzes aber leidfreies Leben ist immer besser als ein langes leidvolles Leben.


Wann ist denn nun der richtige Zeitpunkt für eine Euthanasie?


In den allermeisten Fällen werden unheilbar kranke Tiere euthanasiert. Das bedeutet, dass die Tiere eine oder mehrere Erkrankungen oder Verletzungen haben, welche langfristig nicht mit dem Leben vereinbar sind oder zu einem enormen Leiden der Tiere führen. Dies sind oft chronische systemische Erkrankungen wie die Chronische Nierenerkrankung der Katze, Herzinsuffizienzen, Tumorerkrankungen. Aber auch akute, schwere Verletzungen nach Unfällen können natürlich eine Euthanasie rechtfertigen. Schwierig wird es insbesondere dann, wenn die Erkrankung selbst nicht lebensbedrohend ist, aber die Lebensqualität des Tieres stark einschränkt. Dies kann beispielsweise bei sehr schwerer Arthrose und/oder Hinterhandschwäche der Fall sein. Wenn ein Tier trotz multimodalem Schmerzmanagement sich nur noch unter starken Schmerzen fortbewegen kann und jeder Schritt weh tut, auch dann ist eine Euthanasie notwendig. Ebenso kann es auch bei einer nicht lebensbedrohlichen Erkrankung, die aber eine artgerechte Lebensweise des Tieres verhindert, notwendig sein, eine Euthanasie in Betracht zu ziehen.


Kleine Heimtiere
Abdominaler Tumor einer Ratte
Bauchraum mit raumfordernden Tumor einer Ratte

Ein Beispiel hierfür sind Zahnerkrankungen. Während Hunde und Katzen wunderbar ohne Zähne auskommen und sogar ihr ganz normales Nass- oder Trockenfutter fressen können, können Zahnerkrankungen insbesondere für Heimtiere wie Kaninchen, Meerschweinchen, Ratten, Mäuse usw. oft eine infauste Prognose bedeuten. In schweren Fällen müssten auch dort alle Zähne gezogen werden, was dann mit einer artgerechten Lebensweise oft nicht mehr vereinbar ist. Im Grunde verbringen Kaninchen und Meerschweinchen im Gegensatz zu Hunden und Katzen ja nahezu den ganzen Tag mit Fressen. Wenn sie dann ihr normales Futter aufgrund der fehlenden Zähne einfach nicht mehr mümmeln können, sondern nur noch pürierten Brei futtern können, kann dies natürlich auch eine enorme Einschränkung der Lebensqualität bedeuten, ebenso bei Kleinnagern wie Ratten oder Mäuse, wenn sie nicht mehr Nagen und Knabbern können. In solchen Fällen ist es auch für uns Tierärztinnen und Tierärzte nicht immer einfach, abzuschätzen, ob man dem einzelnen Tier in diesem Fall noch einen Gefallen mit einer Behandlung tut oder eine Euthanasie angebrachter wäre. Letztendlich geht es dabei natürlich immer um Einzelfallentscheidungen gemeinsam mit den Besitzer:innen.



Verhaltensprobleme

Besonders schwer und traurig wird es in solchen Fällen, wenn keine körperliche Krankheit, sondern eine schwere Verhaltensstörung eine Euthanasie notwendig macht. Dies sind oft sehr komplizierte und belastende Fälle, bei denen man sich im Zweifel auch nochmal eine Zweit- oder Drittmeinung einholen sollte. Es geht um solche Fälle, wenn beispielsweise Hunde so hochgradig aggressiv sind, dass sie eine dauerhafte Gefahr für Menschen darstellen oder wenn Tiere so stark verhaltensgestört sind, dass sie kein artgerechtes Leben mehr führen können. Natürlich sollte man in solchen Fällen immer erst eine Verhaltenstherapie mit spezialisierten Fachtierärzt:innen und Tiertrainern sowie unterstützende medikamentelle Therapie versuchen. Wenn die Behandlungsmaßnahmen jedoch langfristig erfolglos bleiben und kein artgerechtes Leben für das Tier möglich ist, kann auch hier eine Euthanasie notwendig sein.


Kriterien für eingeschränkte Lebensqualität / Leiden


Bei der Frage nach den konkreten Kriterien, die für ein offensichtliches Leiden der Tiere sprechen und die als Orientierung für die Notwendigkeit einer Euthanasie herangezogen werden sollten, muss noch einmal klar sein, dass es dabei nur um unheilbar kranke oder verletzte Tiere ohne Chance auf Heilung oder Besserung geht. Wenn ein Tier beispielsweise aufgrund einer schweren Verletzung oder einer akuten schweren Krankheit, welche jedoch langfristig geheilt bzw. therapiert werden kann, leidet und eine eingeschränkte Lebensqualität hat, so ist dies natürlich kein Grund für eine Euthanasie. Sobald eine realistische Chance auf eine Besserung des Zustandes besteht, sollte man eine Behandlung und Linderung der Leiden versuchen.


Hinweise für Leiden und somit eine eingeschränkte Lebensqualität:


Fehlende Futter- und Wasseraufnahme

Tiere fressen und trinken instinktiv so viel, dass ihr Flüssigkeits- und Energiebedarf abgedeckt ist. Zudem gehört insbesondere Fressen auch gewissermaßen zum Konfortverhalten von Tieren, denn jedes Tier sollte gut schmeckendes Futter gerne fressen. Wenn ein Tier nicht frisst oder trinkt, liegt oft ein schweres Problem vor und dem Tier geht es offenbar einfach nicht gut. Natürlich kann man kranke Tiere vorübergehend extern mit Flüssigkeit und Energie versorgen und sie Zufüttern und Päppeln. Wenn aber ein unheilbar krankes Tier die Futter- und Wasseraufnahme komplett einstellt, ist die Lebensqualität für gewöhnlich auf ein nicht mehr tragbares Maß gesunken. Gleiches geht im Falle einer mechanischen oder funktionellen Behinderung der Futteraufnahme, beispielsweise bei oralen Tumoren oder Schluckstörungen.


Schmerzen

Schmerzen können sich unterschiedlich äußern und Tiere unterschiedlich belasten. An einen gewissen leichten chronischen Schmerz z.B. bei leichter Arthrose, können sich viele Tiere gewöhnen und kommen damit zurecht. Wenn die Schmerzen aber zu stark werden und mit multimodaler Schmerztherapie nicht mehr in den Griff bekommen wird, sollte man ernsthaft über eine Euthanasie nachdenken. Wenn ein Tier beispielsweise bei Arthrose eigentlich keinen Schritt mehr gehen möchte vor Schmerzen oder die Bauchschmerzen so schlimm werden, dass sich ein Tier nur noch krümmt, dann sollte man das Leben und damit den Schmerz des Tieres beenden.





Atemnot

Bei Erkrankungen, die zu Problemen mit der Atmung führen, kann eine Euthanasie oft sehr schnell notwendig sein. Bei einem austherapierten Herzversagen kann es beispielsweise sehr schnell zu einem Lungenödem und damit extremer Atemnot kommen, ebenso können Lungenmetastasen ein plötzliches Kollabieren des Tieres mit Atemnot hervorrufen. In solchen Fällen muss die Euthanasie notfallmäßig sofort erfolgen, denn Ersticken ist ein wirklich qualvoller Tod, den kein Tier erleiden sollte. Insbesondere bei Herzpatienten und Tieren mit bekannten Lungenmetastasen sollte die Atmung und die Farbe der Schleimhäute engmaschig überwacht werden. Maulatmung ist prinzipiell immer ein Hinweis auf eine schwerwiegende Atemnot


Tumor in der Lunge einer Katze
Mediastinales Lymphom im Thorax einer Katze

Schwäche

Muskuläre Schwäche kann prinzipiell bei sehr vielen verschiedenen Erkrankungen auftreten. Als Folge eines starken Muskelabbaus durch fehlende Bewegung aufgrund von schmerzhafter Arthrose, als Folge einer langen zehrenden systemischen Erkrankung durch Tumore, Stoffwechselerkrankungen oder Abmagerung. Teilweise als eigenständiges Krankheitsbild wie der idiopathischen Hinterhandschwäche bei Ratten. Wenn ein Tier irgendwann so geschwächt ist ist, dass es sich nicht mehr selber auf den Beinen halten und fortbewegen kann, sollte man es noch am gleichen Tag euthanasieren.

Hund mit Knochentumor
Hund mit Osteosarkom und starker Lahmheit sowie Schmerzen

Apathie

Apathie ist ebenfalls ein sehr unspezifisches Symptom und kann viele Ursachen haben. Apathie spricht immer für einen sehr schlechten Zustand des Tieres und kann bei einem unheilbar kranken Tier für ein starkes Leiden sprechen, welches die Lebensqualität auf ein nicht mehr akzeptables Maß mindert.


Abmagerung und Schwäche einer Katze durch CNI
Muskelabbau und Kachexie aufgrund chronischer Niereninsuffizenz

Erbrechen und Durchfall

Erbrechen und Durchfall können einzeln oder in Kombination bei vielen unheilbaren Erkrankungen ursächlich oder als Nebenwirkung von Medikamenten auftreten. Wenn beides zusammen oder auch einzeln ein unerträgliches Maß annimmt, sollte man ein unheilbar krankes Tier zeitnah euthanasieren lassen. Wenn beispielsweise eine Katze mit Chronischer Nierenerkrankung trotz Therapie jeden Tag oder auch nur regelmäßig mehrmals die Woche erbricht, sollte man sie euthanasieren. Jeder weiß, wie unangenehm Übelkeit ist und diesen Zustand täglich ertragen zu müssen, möchte man keinem Lebewesen zumuten. Das Gleiche gilt für Durchfall. Wenn ein Tier auf bestimmte Medikamente angewiesen ist und diese als Nebenwirkungen zu immer schlimmerem Erbrechen oder Durchfall führen, ist ebenfalls die Euthanasie meist erforderlich, wenn es keine geeigneten Ersatz-Medikamente gibt. Blutiges Erbrechen oder Kotabsatz (schwarzer Kot bedeutet ebenfalls blutig) sollten ebenfalls immer als Warnsignal betrachtet werden und können bei einem unheilbar kranken Tier eine Euthanasie notwendig machen.


Schwindel

Wenn man bei einem Tier aufgrund einer Erkrankung und der Symptomatik davon ausgehen kann, dass ihm permanent schwindelig ist (z.B. bei zahlreichen neurologischen Symptomen) und dieser Schwindel medikamentös nicht behandelt werden kann, dann sollte das Tier zeitnah euthanasiert werden.


Blutende Tumore oder Wunden

Wenn ein Tier Tumore hat, welche nicht mehr entfernt werden können oder sollen, können diese unter Umständen anfangen zu bluten. Im Falle von „inneren“ Tumoren ist dies ein akuter Notfall und es sollte sofort euthanasiert werden, aber auch bei „äußeren“ Tumoren, die nach außen bluten (wie es oft bei Mammatumoren der Katze vorkommt) sollte man mit einer Euthanasie nicht mehr lange warten. Auch wenn das Tier an einem ulzerierten Mammatumor vermutlich nicht akut verbluten wird, so besteht eine hohe Gefahr für eine Wundinfektion und in jedem Falle für Schmerzen. Bei chronischen Wunden wie beispielsweise „Bumble-Foot“-ähnlichen Veränderungen, also chronischen Ballensabszessen, ist bei einer dauerhaften Blutung ebenfalls die Euthanasie notwendig.

Offene große Hautwunde an den Beinen einer Ratte
chronisch blutendes und offenes Bein (Bumblefoot)

Fehlender Harn- und Kotabsatz

Wenn ein Tier aufhört zu Fressen und Trinken, kann es natürlich auch irgendwann keinen Kot und kaum noch Harn ausscheiden. Hier geht es aber konkret eher um die eingeschränkte Möglichkeit bei obstruktiven Erkrankungen, also Tumoren die so wachsen, dass der Harn- oder Kotabsatz mechanisch verhindert ist. Dies kann beispielsweise bei raumfordernden Tumoren im Bereich des Enddarmes oder der Analdrüsen oder bei invasiv wachsenden Blasentumoren auftreten. Wenn durch raumfordernde Prozesse bei einem unheilbar kranken Tier der Harn- und Kotabsatz nicht mehr möglich ist, muss die Euthanasie sofort erfolgen.


Unkontrollierter Harn- und Kotabsatz

Eine gewisse Harninkontinenz ist sicherlich kein Grund für eine Euthanasie. Wenn ein Tier allerdings eine so starke Harn- und/oder Kotinkontinenz entwickelt, dass es quasi permanent ausläuft, ist dies auch für das Tier selbst ein untragbarer Zustand. Die meisten Haustiere sind sehr reinlich und wollen sich stehts sauber und hygienisch halten. Wenn ein Hund nun aller 2 Stunden unkontrolliert Harn oder Kot absetzt und deshalb permanent nach Exkrementen und Ausscheidungen riecht, wird sich auch das Tier selber davon stark gestresst und unwohl fühlen. In solchen Fällen ist oft eine Euthanasie die richtige Entscheidung.


Verhaltensänderungen

Ein ebenfalls wichtiges Indiz bei der Beurteilung der Lebensqualität stellt natürlich das Verhalten eines Tieres dar. Wichtig hierbei als Referenz ist das Verhalten des Tieres im gesunden Zustand. Wenn ein sonst sehr zutrauliches Tier sich plötzlich zurückzieht, ist dies ebenso ein Alarmzeichen, wie wenn ein sonst sehr scheues Tier plötzlich zutraulich wird und menschliche Nähe sucht. Solche plötzlichen Verhaltensänderungen sprechen immer für ein schlechtes Allgemeinbefinden des Tieres.


Die Summe aus Allem

Auch wenn keines dieser Kriterien sehr stark vorhanden ist aber dafür viele Symptome gleichzeitig nebeneinander auftreten, kann die Lebensqualität insgesamt so stark eingeschränkt sein, dass eine Euthanasie notwendig ist. Natürlich gibt es noch viele weitere Symptome, die für ein Leiden und eine verminderte Lebensqualität sprechen können. Dies sind die aus meiner Sicht wichtigsten und relevantesten Kriterien für eine deutlich verminderte Lebensqualität.


Eine hilfreiche Gedankenstütze


Wenn man sich am Ende immer noch nicht sicher ist, ob eine Euthanasie zum jetzigen Zeitpunkt notwendig ist, dann kann man sich folgende Gedankenstütze nehmen: Wenn ich mir den vergangenen Tag, die vergangene Woche, den vergangenen Monat anschaue, würde ich meinem Tier genau so einen Tag, so eine Woche, so einen Monat nochmal zumuten wollen? Oder denke ich mir insgeheim, dass mein Tier in dieser Zeit so gelitten hat, dass ich ihn keinen einzigen solcher Tage, Wochen oder Monate mehr durchhalten lassen will?


Ebenso kann es hilfreich sein, sich eigene Grenzen oder Kriterien zu setzen. Beispielsweise, wie oft man der Katze noch Erbrechen oder dem Hund einen epileptischen Anfall zumuten möchte, bis es zu viel ist. Wenn man sich so eine Grenze gesetzt hat und diese Grenze irgendwann überschritten wird, fällt der Entschluss zum letzten Weg oft leichter. Zudem sollte man nicht anfangen, für sich aufzuzählen, was das Tier alles noch kann oder welche Gründe gegen eine Euthanasie sprechen, denn all die Dinge, die das Tier nun nicht mehr kann und die Symptome, die für eine Euthanasie sprechen, wiegen immer mehr.


Was macht die Veterinärmedizin so besonders gegenüber der Humanmedizin?


Bei vielen Krankheiten und Verletzungen in der Veterinärmedizin kommt früher oder später ein Vergleich zur Humanmedizin auf. Die Tiermedizin nimmt hier aus mehreren Gründen eine Sonderstellung zu anderen medizinischen Bereichen ein:


Kosten

Ein leidiges und medial oft diskutiertes Thema sind die Kosten der tiermedizinischen Behandlung. Während in Deutschland jeder Mensch eine Krankenversicherung hat und sich deshalb um die Kosten einer medizinischen Behandlung in der Regel keine Gedanken machen muss, sieht dies in der Tiermedizin noch ganz anders aus. Im Grunde müssen die Tierbesitzer:innen für die Kosten einer medizinischen Behandlung ihrer Tiere aufkommen. Zum Glück gibt es immer mehr Kranken- und OP-Versicherungen für Tiere, doch auch mit einer Versicherung müssen Frauchen und Herrchen meist in Vorkasse gehen. Eine tiermedizinische Behandlung ist oft mit sehr hohen Kosten verbunden und insbesondere bei Operationen können schnell mal mehrere tausend Euro fällig werden. Wenn Tierbesitzer:innen da nicht vorgesorgt und Geld angespart haben, ist es für sie manchmal einfach unmöglich, diese Kosten zu tragen. Solche Fälle belasten uns als Tierärzt:innen und TFAs natürlich auch sehr, denn es bricht uns selber auch das Herz, wenn wir Tiere mit gammeligen, entzündeten Zähnen sehen und die Besitzer:innen sich eine Zahnsanierung nicht leisten können, oder wenn notwendige Diagnostik aus Kostengründen nicht durchgeführt werden kann oder die Behandlung nicht finanziert werden kann. Sehr viele Tiere könnten sehr viel besser medizinisch versorgt werden, wenn Geld keine Rolle spielen würde. Letztendlich führt eine starke Kostenrestriktion direkt oder indirekt oft zu einem früheren Tod der Tiere, was auch für uns eine große emotionale Belastung darstellt. Eine wirkliche Lösung des Problems sollte in einer Eigenverantwortung der Besitzer:innen liegen. Wenn man nicht gerade so viel verdient, dass man pro Tier mehrere Tausend Euro spontan ausgeben könnten, dann sollte man eine Versicherung soweit möglich abschließen.  Wenn man keine Versicherung abschließen kann, weil es für die Tierart einfach keine Versicherung gibt, dann legt man monatlich Geld zur Seite für das Tier oder fragt im Notfall Freunde und Familie, ob sie etwas leihen können. Auch Online-Crowdfunding und private Spendenaktionen bringen oft die notwendigen Beträge zusammen. Letztendlich muss sich natürlich auch jede Person VOR der Anschaffung eines Tieres Gedanken darüber machen, ob sie die finanziellen Möglichkeiten hat, dem Tier langfristig gerecht zu werden. Dafür sollte man sich auch im Vorfeld über die Kosten von Tieren informieren. Leider herrscht immer noch unter vielen Tierhalter:innen die Meinung, dass Heimtiere die Kaninchen und Meerschweinchen günstiger wären als Hunde und Katzen, was leider oft ein großer Irrglaube ist, denn auch dies Tiere benötigen oft sehr teure medizinische Behandlungen. Inzwischen kann man mit einem Kleinnager finanziell sogar schlechter dastehen als mit Hund und Katze, da es für diese Rassen oft noch keine passenden Versicherungen gibt.

Kein Tier sollte unnötig sterben, nur weil das Geld nicht da ist!


Management

Auch im Hinblick auf das Management bei bestimmten Krankheiten, nehmen Tiere gegenüber Menschen eine Sonderstellung ein. Während man einem inkontinenten Menschen oft Windeln anziehen kann, ist dies bei Tieren meist nur eingeschränkt möglich. Für Menschen kann ein Pflegegrad beantragt werden, wodurch Angehörige Unterstützung durch Pflegepersonal bekommen können, auch das ist bei Tieren natürlich nicht möglich. Während Menschen oft eine gute Mitarbeit bei der Behandlung von Verletzungen und Krankheiten haben und vorbildlich im Bett liegen bleiben um sich zu schonen, kann man das von Tieren nicht gerade behaupten. Da werden sich Nähte ausgebissen, Wunden aufgeleckt, die Medizin wieder ausgespuckt. Natürlich kann man in einem gewissen Rahmen mit Bodys und Halskrägen zum Schützen vor Wunden arbeiten, aber auch das ist nicht immer möglich. Auch die Medikamentengabe spielt da eine entscheidende Rolle. Wenn ein Hund oder eine Katze die Medizin absolut nicht nimmt, sich mit allen 4 Pfoten dagegen wehrt, alle Tabletten wieder ausspuckt und flüssige Medikamente wieder aussabbert, eventuell sogar die Gesundheit der Besitzer:innen durch Kratzen und Bisse gefährdet, dann kann man in manchen Fällen auch da tatsächlich einfach nichts machen. Während sich bei akuten, kurzfristigen Krankheiten oft Lösungen im Rahmen einer stationären Aufnahme mit Injektionen der Medikamente finden, ist dies bei chronischen und dauerhaft zu therapierenden Krankheiten schlichtweg so nicht möglich. So kann es also auch sein, dass eine Katze mit einer eigentlich gut zu behandelnden Schilddrüsenüberfunktion letztendlich euthanasiert werden muss, weil eine Behandlung mit symptomatischer Besserung einfach nicht umsetzbar ist. Ebenfalls zu erwähnen sei die eingeschränkte Umsetzung von Diagnostik bei Tieren. Für viele Untersuchungen, welche am Menschen problemlos wach toleriert werden, müssen Tiere sediert oder in eine Vollnarkose gelegt werden. Dies ist wiederum mit einem erhöhten Risiko sowie mit erhöhten Kosten verbunden.


Medizinische Möglichkeiten

Auch wenn sich die Tiermedizin stetig qualitativ verbessert, gibt es dennoch einfach nicht die vollumfänglichen Möglichkeiten in Diagnostik und Therapie wie in der Humanmedizin. Zum einen fehlt es in der Veterinärmedizin oft an Studien und Untersuchungen. Die Dosierungen von Medikamenten müssen bei seltener gehaltenen oder wirtschaftlich weniger relevanten Tierarten teilweise geschätzt werden, weil es einfach keine zuverlässigen Studien dazu gibt. Medikamente sind nicht immer in vollem Umfang verfügbar und müssen aus der Humanmedizin umgewidmet werden. Und oft liegt es auch an technischen Möglichkeiten. Bei der Unterschreitung einer gewissen Größe sind manche operativen oder diagnostischen Eingriffe an sehr kleinen Tieren einfach nicht möglich. Während beinamputierte Menschen einfach eine gut sitzende Prothese bekommen, mit der sie problemlos Laufen und sogar Hochleistungssport betreiben können, gibt es für Prothesen bei Tieren nur stark eingeschränkte Möglichkeiten. Gleiches gilt für Rollstühle. Während es beim Menschen zig verschieden Rollstühle in allen möglichen Varianten und Ausführungen gibt, kann eine Querschnittlähmung oder Hinterhandschwäche bei Tieren den Tod bedeuten, da sie sonst kein artgerechetes Leben mehr führen können. Manche Hunde und Katzen und sicher auch Kaninchen kann man an maßgeschneiderte Rollstühle gewöhnen, aber auch da hört es bei einer gewissen Größe nach oben oder unten eben mit den Möglichkeiten und der Umsetzung auf.


Eingeschränkte Kommunikation

Im Gegensatz zu Menschen können Tiere natürlich nicht mit uns sprechen, um uns mitzuteilen, wie es ihnen geht und wie ihre Wünsche sind. Sie kommunizieren indirekt über Körpersprache und Verhaltensweisen, aber wo genau es einem Tier jetzt weh tut oder ob der Schmerz jetzt so stark ist, dass das Tier lieber sterben würde als weiter zu leben, das können sie uns natürlich so nicht mitteilen. Für Tiere müssen deshalb Menschen Entscheidungen treffen, die die Tiere selber so nicht treffen (bzw. uns nicht mitteilen) können und diese Entscheidungen gehen eben manchmal um Leben oder Tod.



Die Möglichkeit, Leiden zu beenden

Der große Vorteil der Tiermedizin gegenüber der Humanmedizin in Deutschland ist meiner Meinung nach die Möglichkeit, dass wir das Leiden von Tieren beenden können. Sterbehilfe ist ja immer noch ein sehr umstrittenes und rechtlich äußerst kompliziertes Thema in Deutschland.  Bei Tieren haben wir zum Glück ganz legal die Möglichkeit, das Leben zu beenden, wenn es nicht mehr lebenswert ist. Natürlich gehört zu der Entscheidung nicht nur tiermedizinisches Wissen, sondern auch eine moralische Verantwortung um abzuschätzen, wann ein Leben wirklich nicht mehr lebenswert ist. Auch wenn die Euthanasie oft emotional herausfordernd ist, bin ich doch unendlich dankbar über diese Möglichkeit.


Wie läuft eine Euthanasie ab?

Bei einer Euthanasie von Haustieren werden die Tiere erst in eine Vollnarkose gelegt und anschließend wird das Medikament verabreicht, welches das Herz zum Stillstehen bringt. Bei allen Tieren, wo dies problemlos möglich und sinnvoll ist (die meisten Hunde und Katzen, teilweise Kaninchen), wird erst ein Venenzugang gelegt, über den die Medikamente verabreicht werden. Bei dieser Methode fluten die Medikamente zügig an und die Euthanasie geht in der Regel sehr schnell .


Einschläferung intravenös
Euthanasie mittels Venenzugang und Pentobarbital

Wenn die Tiere sehr ängstlich oder gestresst sind, geben wir ihnen vorher oft noch eine Sedation per Injektion in die Muskulatur, damit sie von dem Venenzugang nicht mehr so viel mitbekommen.Bei Tieren, bei denen kein Venenzugang möglich ist (Nager, teilweise Hunde und Katzen in sehr schlechtem Kreislaufzustand) wird die Vollnarkose per Injektion in die Muskulatur oder unter die Haut eingeleitet. Wenn die Tiere in tiefer Narkose sind und die Reflexe ausfallen und sie nicht auf mehr auf Schmerzreize reagieren, wird das Medikament, welches das Herz zum Stillstehen bringt, in den Bauch oder direkt in das Herz oder notfalls in die Lunge gespritzt. Prinzipiell können die Besitzer:innen die ganze Zeit dabei bleiben, wenn sie dies wünschen. Manche Personen möchten beim letzten Schritt gerne den Raum verlassen und das ist auch komplett in Ordnung.

Uns ist es aber sehr wichtig, dass die Besitzer:innen / Familie, wenn irgendwie möglich, so lange bei ihren Tieren bleiben, bis diese stark sediert oder in einer Vollnarkose sind. Die Tiere sollen möglichst die Nähe ihrer geliebten Menschen spüren und sich in den letzten Minuten nicht alleine fühlen.

Nach der Euthanasie haben die Besitzer:innen immer die Möglichkeit, sich alleine von ihrem Tier zu verabschieden. Jeder Mensch geht anders mit dem Tod eines geliebten Familienmitgliedes um und da gibt kein Richtig oder Falsch. Wenn Sie bei der Euthanasie weinen müssen, ist das vollkommen verständlich und kein Grund sich zu Schämen. Wir stellen Ihnen gerne Taschentücher bereit. Wenn Sie eher resigniert sind und gar nichts sagen können oder möchten, dann Schweigen Sie gerne. Wenn Sie als Übersprungshandlung lachen und vielleicht Witze erzählen, ist auch dies ein normalen und nachvollziehbares Verhalten, niemand wird Sie dafür verurteilen. Und bitte nehmen Sie sich auch die Zeit und den Raum, anschließend zu trauern, denn Haustiere sind schließlich geliebte Familienmitglieder.



Was passiert mit dem Tierkörper?

Wie es mit dem Körper des Tieres weiter geht, können die Besitzer:innen selber entscheiden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten:


Das Tier begraben

Diese Methode ist nur auf Privatgrundstücken und nur bei Heimtieren, Katzen und kleinen Hunden erlaubt. Das Tier sollte tief genug begraben werden und ein Holzbrett über das Tier gelegt werden, damit wilde Aasfresser das Tier nicht ausgraben. Bei dem Verdacht auf hochansteckende Infektionskrankheiten wie z.B. RDH und RDH2 beim Kaninchen sollte auf diese Methode verzichtet werden.


Das Tier einäschern lassen

Es gibt verschiedene Bestattungsunternehmen, bei welchen man sein Tier einäschern kann. Man kann die Asche dann in einem Sammelgrab oder einem Einzelgrab beerdigen lassen oder sich in einer Urne mitgeben lassen. Die Bestatter können die Tiere bei uns aus der Tierarztpraxis oder bei Ihnen zu Hause abholen oder Sie bringen den Körper des Tieres zum Bestattungsinstitut. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit den Tierbestattungsunternehmen Anubis und Rosengarten in Leipzig gemacht. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sehr pietätvoll und beraten Sie gerne zu Ihren genauen Wünschen und Vorstellungen. Auch Pfotenabdrücke Ihrer Tiere sind dort beispielsweise vor der Einäscherung möglich.


Das Tier in die Tierkörperbeseitigungsanlage geben

Dort werden die Tiere in größeren Massen ebenfalls verbrannt und die Asche anschließend entsorgt.


Das Tier in die Anatomie oder die Pathologie geben

In unserer Praxis kommen die toten Tiere, welche nicht beerdigt werden, in die Anatomie oder Pathologie der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig. Dort dienen die Körper der Lehre und Ausbildung der angehenden Tierärzt:innen und leisten somit einen Beitrag zur langfristigen Verbesserung der veterinärmedizinischen Versorgung.


Das Tier für spezielle Forschung spenden

Manchmal suchen Forschungseinrichtungen tote Tiere spezieller Tierrassen oder bestimmter Erkrankungen zur weiteren Forschung.


Für welche Methode Sie sich entscheiden wollen, ist vollkommen Ihnen überlassen und jede Variante ist okay! Es gibt keine Verurteilungen oder Nachfragen, wenn Sie sich für die Eine oder andere Variante entscheiden. Es wäre in jedem Fall sinnvoll, wenn Sie sich bereits im Vorfeld einer Euthanasie darüber Gedanken machen, welche Methode Sie sich gerne wünschen. Dann kann bei einer geplanten Euthanasie beispielsweise bereits im Vorfeld ein Termin mit dem Tierbestatter ausgemacht werden, wenn Sie diese Variante wählen. Wenn ein Tier doch mal überraschend verstirbt oder sehr kurzfristig euthanasiert werden muss und Sie sich noch keine Gedanken über den Verbleib des Körpers gemacht haben, ist es bei Heimtieren, Katzen und kleinen Hunden auch möglich, dass wir die Tiere ein paar Tage bei uns im Gefrierschrank lagern und Sie und dann ihre Entscheidung mitteilen und ggf. Ihr Tier wieder abholen.


Wie es für Tierärztinnen und Tierärzte ist, Tiere zu Euthanasieren?


Oft werden wir von Freunden und Familie gefragt, ob es nicht schwer sei, Tiere zu euthanasieren und damit ihr Leben zu beenden. Und um ganz ehrlich zu sein, es ist in den meisten Fällen überhaupt nicht schwer, weil wir genau wissen, dass es in diesem Moment das Richtige ist und wir dem Tier einen Gefallen damit tun. Natürlich sind Euthanasien oft sehr emotional, auch für uns Tierärztinnen und TFAs unserer Praxis, insbesondere wenn man die Tiere und ihre Besitzer:innen schon lange kennt und behandelt. Auch tragische Fälle von recht jungen Tieren mit schweren Erkrankungen, die zu einer Euthanasie führen, sind besonders traurig. Uns fällt es auch oft schwer, in solchen Momenten keine Träne zu vergießen und wenn doch, dann ist es vollkommen okay, diese Emotionen zu zeigen. So traurig es auch ist, es ist das Richtige. Tatsächlich hatten bisher noch keinen Fall, in dem wir ein Tier euthanasieren sollte, bei dem wir nicht selber davon überzeugt waren, beispielsweise wenn eine Behandlung nur aufgrund von Kostenrestriktion abgelehnt wird. Da wir als Tierärztinnen das Leben von Tieren ja nur mit ausreichender Begründung beenden dürfen, würde wir eine Euthanasie auch ablehnen, von der wir nicht überzeugt sind. Dies ist auch sehr wichtig für die eigene mentale Gesundheit, damit man hinter den eigenen Entscheidungen stehen und diese nicht bereuen kann. Die schlimmsten Fälle von Euthanasien waren für uns diese Fälle, in denen die Besitzer:innen leider viel zu lange gewartet hatten und uns der Zustand der Tiere einfach nur Leid tat.

Im Praxisalltag gibt es neben der emotionalen Belastung von Euthanasien natürlich noch die Schwierigkeit, dass wir danach nicht einfach Feierabend machen und nach Hause gehen können. Direkt nach der Euthanasie wartet schon ein Welpe zum Impfen oder eine kranke kranke Katze zur Behandlung oder das nächste Tier zur Euthanasie. Da müssen wir natürlich wieder mit voller Konzentration dabei sein. Für einen kurzen Moment des Verarbeitens bleibt da selten Zeit.  Und trotzdem kann man am Ende mit einem reinen Gewissen und dem Gefühl, etwas Gutes mit der Euthanasie getan zu haben, nach Hause gehen.


Sehr unterschiedlich wird auch die Frage betrachtet, ob Tierärzt:innen ihre eigenen Tiere euthanasieren. JA - wir euthanasieren unsere Tiere teilweise selbst. Warum tun wir uns diese moralische Last an? Weil wir wissen, dass es das Beste für unsere Tiere ist. Es könnte für die Tiere keine bessere Euthanasie geben, als dass sie zu Hause in ihrem gewohnten Umfeld von ihrem Frauchen, dem sie vertrauen und welches sie lieben, einen kurzen Piekser unter die Haut oder einen Venenzugang ins Bein bekommen und danach nichts weiter mitbekommen. Auch wenn es oft sehr schwer war, das Leben des eigenen Tieres zu beenden, so war es immer das Richtige.


Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesem Beitrag einen Einblick geben konnte, warum es so wichtig für Tierbesitzer:innen ist, sich rechtzeitig mit dem Thema Euthanasie zu beschäftigen und ebenso hoffen wir, Ihnen die Angst vor diesem großen und komplexen Thema etwas zu nehmen.


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