"Guck mal, da ein Igel!"

Aktualisiert: Jan 20

In Zeiten von Trockenheit und zunehmender Bebauung wird es tatsächlich immer seltener einen Igel zu Gesicht zu bekommen.

Aber wenn wir einen sehen, heißt es AUGEN auf und genau hinschauen.


Unsere Patient Erwin, stationär wegen Wundbehandlung


In diesem Artikel wollen wir einen kurzen Überblick geben, wann wir uns nur darüber freuen können, einen Igel zu sehen und wann wir helfen sollten.

Grundsätzliches vorneweg, Igel sind Wildtiere einer besonders geschützten Art und dürfen nur aus der Natur entnommen werden, wenn sie hilfebedürftig sind und um diese gesund zu pflegen. Das Aufnehmen eines Tieres muss als oberstes Ziel immer die Wieder-Auswilderung haben.


Aber wann ist er hilfebedürftig?



Hier kurze Alarmzeichen:


- Igel mit offensichtlichen Verletzungen

- Igel liegt herum ohne sich bei Berührung einzurollen

- Igel läuft/torkelt tagsüber herum (Ausnahme, zum Beispiel: aufgeschreckter Igel aus einem Laubhaufen)

- Igel ist bei Frost und/oder Schnee aktiv


Wie helfe ich am besten:


Wichtig ist es den Igel erstmal zu sichern, am besten in einen Karton mit Handtuch (ohne Schlaufen). Bei Jungtieren bitte auch die Umgebung nach Geschwistern oder Mutter absuchen.

Danach ins Warme stellen, wiegen und nach Verletzungen absuchen.

Dann das Wichtigste: KOMPETENTE Hilfe suchen.

Einen Igel richtig zu pflegen ist keine Aufgabe für Laien.





Unser Tipp für Menschen, die soziale Medien nicht scheuen:

Ein Foto machen und dieses gemeinsam mit den Funddaten (Gewicht, Auffindesituation, PLZ) bei Facebook in eine Igelgruppe stellen. Für Leipzig ist das: Igelfreunde Leipzig/- und Umgebung

Dort bekommt der Finder schnell Hilfe bei Fragen und erreicht gleichzeitig viele kundige Igelpäppler. In einigen Städten/Gemeinden gibt es auch Igelstationen die erreichbar sind. Leipzigs Igelstation geistert als Information noch im Netz herum, existiert seit einigen Jahren aber nicht mehr.


Menschen, die Facebook und co. skeptisch gegenüber stehen, können es beim NABU Leipzig probieren: 0341 6884477 ; es kann unter Umständen aber, verständlicherweise, etwas dauern bevor man jemanden am Telefon hat.


Wie kann ich noch helfen:

Wichtig ist es hilfebedürftige Igel erst einmal aufzuwärmen, entweder durch eine Wärmflasche (Nur Handwarm, Vorsicht vor Verbrühungen) oder durch warmgefüllte Getränkeflaschen. Die Körpertemperatur lässt sich am besten am Bauch füllen, dieser sollte handwarm sein.

Auch Futter kann man den kleinen Stachlern anbieten:



Außerdem wichtig:

Igel bringen nahezu immer Parasiten mit sich. Flöhe hat nahezu jeder Igel in unterschiedlichen Mengen auf sich herumtollen. Aber auch Zecken füllen sich wohl. Zecken können nur mir einer Pinzette entfernt werden.

Gegen die Flohscharen gibt es einige wenige verträgliche Mittel zum aufsprühen. Bitte keine Spot-ons auftragen (lassen), es gibt dafür zwar Dosierungsempfehlungen, dies trifft aber nur auf gesunde Igel zu. Wir behandeln per se aber fast ausschließlich kranke und/oder geschwächte Tiere.


Ein weiterer, viel gefährlicherer Parasit ist die Fliege. Diese legt besonders in Sommermonaten ihr Fliegeneier zwischen die Stacheln. Wenn die Maden schlüpfen, kann dies schnell zur Bedrohung für die Stachler werden. Nicht nur in bestehende Wunden krabbeln die Maden gern herein, sondern sie schaffen auch neue. Die Fliegeneier können mit einem Wattestäbchen oder gereinigtem Wimperntuschestift entfernt werden. Für die Maden braucht es vor allem einen starken Magen und eine Pinzette.


Der Totenkopf kommt im "Igel in der Tierarztpraxis" sehr häufig vor.

Natürlich können sie mit einem gefundenem Igel auch zu ihrer Tierarztpraxis des Vertrauens gehen. Neben der ersten Untersuchung können wir zum Beispiele mit Infusionen bei der Stabilisierung des Patienten helfen. Weitere Behandlungen sind allerdings bei Igeln nur sehr eingeschränkt möglich, da das A und O der Igelpflege aus füttern und wärmen besteht und dies 24 Stunden. Diese Aufgabe erledigen besser Igelpäppler mit Erfahrung. Außerdem sind nur wenige Medikamente für junge und kranke Igel gut verträglich. Wenn es um die Behandlungen von Würmern geht , darf man daher nicht wie bei Hund und Katze zum Rundumschlag ausholen, sondern muss gezielt behandeln. Dafür braucht es eine Kotuntersuchung von Sammelkot von 3 Tagen. Einige Medikamente müssen dann speziell verdünnt werden, um genau dosiert werden zu können.



Wie am Anfang schon geschrieben, wird das Lebensumfeld, in Zeiten von Steingärten und Doppelstabzäunen, für Igel immer schwerer. Die Insektenpopulation sinkt stetig immer weiter und viele Igel schaffen es nicht sich die nötigen Reserven für den Winterschlaf anzufressen. Unterernährte Igel sind wiederum bedeutend anfälliger für Parasiten und Infektionen.


Es kann daher fast jeder etwas Prophylaxe betreiben, am wichtigsten dabei sind die Gartenbesitzer. Kleine Wildecken im Garten mit ganzjährigen Ast- und Laubhaufen. Blumen, die nicht nur hübsch aussehen, sondern auch Pollen für Insekten liefern.

Wasserschalen am Boden dienen sowohl Vögeln und Igeln, als auch Eichhörnchen und Insekten in der Trockenheit. Außerdem empfehlen Naturschutzverbände seit einigen Jahren das ganzjährige Füttern von Vögeln und Igeln.

Der Einsatz von Rasenmährobotern sollte nie bei Dunkelheit stattfinden, denn diese können schlimme Verletzungen hervorrufen, da Igel nicht als Hindernis wahrgenommen werden.


Viele weitere Information über Aufzucht und Pflege, igelfreundliche Gärten, Bau von Igelhäusern und weiteres findet ihr unter

www.pro-igel.de



Und am Ende hier noch eine hilfreiche Entscheidungs- und Gesamtübersicht:







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