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Medical Training für den Tierarztbesuch mit dem Hund

11. Aug.
6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 15. Aug.

Für die meisten Tiere ist der Besuch in der tierärztlichen Praxis mit enorm viel Stress verbunden. Dabei können Stress und Angst ganz unterschiedlich aussehen und werden deswegen nicht immer richtig erkannt.

Manche Tiere reagieren generell skeptisch bis ängstlich auf fremde Umgebungen und/ oder fremde Menschen, andere Tiere haben bereits schmerzhafte Behandlungen in einer Tierarztpraxis erlebt und erst dadurch vermehrt Ängste oder Unsicherheiten entwickelt.


  • Hund in der Behandlung in der Tierarztpraxis ängstlich
  • Hund erhält eine Belohnung beim Tierarzt
  • Hund ist zufrieden und nicht ängstlich in der Tierarztpraxis
  • Hunde werden von einer Tierärztin gekuschelt und belohnt

Einige Tiere zittern vor Angst, hecheln stark, haben schwitzige Pfoten und versuchen, zu flüchten oder sich zu verstecken. Andere geraten in eine regelrechte Schockstarre und können sich kaum noch bewegen. Wieder andere verteidigen sich mit allem, was sie haben, und zeigen Aggressionsverhalten. Und dann gibt es z.B. unter Hunden noch diejenigen, die wie wild herum wuseln und „herumalbern“ – was nicht selten als Spielaufforderung oder Freude missinterpretiert wird. Auch hier können massiver Stress und negative Emotionen zugrunde liegen.


Ein Hund erhält eine Pfotenbehandlung in Kooperation in der Tierarztpraxis
Behandlung in der Tierarztpraxis

Zum Glück kann etwas dagegen unternommen werden: Medical Training! 


Nicht nur Hunde, sondern auch Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen, Mäuse, Ratten oder Vögel (und viele weitere Tierarten!) können die erstaunlichsten Dinge erlernen – so auch die Kooperation bei verschiedensten Behandlungs- und Pflegemaßnahmen.

Ursprünglich wurde und wird Medical Training bei Zootieren angewandt, um zu vermeiden, dass z.B. ein Tiger oder Elefant für jede kleine Untersuchung bzw. Behandlung sediert/ in Narkose gelegt werden muss. Mit bloßem Festhalten oder anderen Zwangsmaßnahmen kommt man bei diesen Tieren nicht sehr weit, da sie einfach zu groß, zu stark und/ oder zu gefährlich sind.


Grundlagen beim Medical Training stellen Freiwilligkeit sowie positive Verstärkung dar! 



Echte Freiwilligkeit bedeutet, dass das Tier jederzeit „nein“ sagen und aus dem Training aussteigen darf. Idealerweise wird das Training so kleinschrittig durchgeführt, dass das Tier stets mit Freude dabei ist und gar nicht das Bedürfnis hat, vorzeitig die Trainingssituation zu verlassen. Um dies gut einschätzen zu können, ist eine umfassende Kenntnis über die Körpersprache der jeweiligen Tierart unabdingbar.


Belohnung für jeden Schritt
Belohnung muss sein

Bei Training rein über positive Verstärkung handelt es sich um eine Lernform, bei der das Tier für gewünschtes Verhalten mit etwas Tollem belohnt wird, gleichzeitig aber bei „Fehlern“ keine negativen Konsequenzen fürchten muss. Denn „Fehler“ sind für uns Menschen vor allem eine Information, dass z.B. die aktuelle Aufgabe für das Tier noch zu schwierig war und der Trainingsplan ggf. nochmal angepasst werden muss! Insgesamt sollte das Training grundsätzlich so gestaltet sein, dass das Tier oft belohnt werden kann und sowohl Mensch als auch Tier Freude an der gemeinsamen Interaktion haben. 

Entsprechend haben Schimpfen oder andere Bestrafungen im Medical Training keinen Platz!

Als Team in der Tierarztpraxis
Als eingespieltes Team bei der Tierärztin

Übung macht den Meister- Zuhause und in der Praxis


Bei Kleintieren, wie z.B. Hund, Katze oder Kaninchen, ist Medical Training üblicherweise ein Zusammenspiel aus Training im gewohnten Umfeld einerseits und Training in der tierärztlichen Praxis andererseits. I.d.R. werden die verschiedenen Behandlungsmaßnahmen zunächst zu Hause geübt und wenn diese dort sicher und zuverlässig durchführbar sind, kann das Training in die Praxisräumlichkeiten übertragen werden. 

Der erste Schritt im Medical Training kann bspw. das Trainieren einer „Medical Training Decke“ sein


Das Tier lernt, dass es immer dann, wenn eine ganz bestimmte Matte ausgelegt wird, tolle Futterstücke oder andere Belohnungen auf dieser Matte gibt. Es braucht meist gar nicht viele Wiederholungen, bis die Tiere beim Anblick ihrer Matte schon von allein und in freudiger Erwartung auf die Matte gehen.


In einem nächsten Schritt empfehlen wir den sorgfältigen Aufbau eines ersten sogenannten Kooperationsverhaltens. Das kann z.B. die Seitenlage sein oder das Ablegen des Kinns auf einen bestimmten Waschlappen (Kinntarget)



Was für das jeweilige Tier und dessen Mensch am passendsten ist, muss immer individuell betrachtet werden.


  • Kinntarget als Kooperationszeichen beim Medical Training
  • Hund in Kooperation beim Medical Training in der Tierarztpraxis
  • Hunde lieben Medical Training mit der Medical Trainerin in der Tierarztpraxis in Leipzig

Dies ermöglicht dem Tier eine klare Kommunikation mit uns Menschen: Nimmt es das Kooperationsverhalten ein, signalisiert es, dass es bereit ist für weitere Trainingsschritte bzw. für die Behandlung. Verlässt es hingegen das Kooperationsverhalten (hebt bspw. den Kopf vom Kinntarget oder aus der Seitenlage an), bedeutet dies, dass das Tier eine Pause benötigt – entsprechend wird sofort die aktuelle Behandlung/ Manipulation unterbrochen. Das Tier kann so mitentscheiden über das, was mit dem eigenen Körper passiert.


Wird das Kooperationsverhalten von Ihrem Tier gern und sicher eingenommen sowie für eine gewisse Dauer gehalten, können einfache Maßnahmen mit ins Training integriert werden, z.B. das Anfassen an der Schulter. Wählen Sie zunächst eine Körperstelle, an der sich Ihr Tier üblicherweise gern anfassen und streicheln lässt! Damit das Tier weiß, was kommt, sind Ankündigungen ein sehr wertvolles Hilfsmittel! So sagen Sie Ihrem Tier, was als nächstes passiert und geben ihm Vorhersagesicherheit!


Dabei sollten Sie stets diese Reihenfolge beachten:


  1. Ankündigung klar und deutlich, in gewöhnlicher Sprechlautstärke sprechen

z.B. „Anfassen“

  1. 1x durchatmen und ca. 2 sec warten


  1. angekündigte Handlung ausführen

z.B. Hand bewegt sich zum Tier und berührt

  1. Ihr Tier belohnen!

Leckerlie, "Klick"


Die Medical Training Decke kann später auch mit in die tierärztliche Praxis und z.B. auf den Behandlungstisch genommen werden, um so als vertrautes und positiv assoziiertes Objekt Sicherheit spenden. Hier sieht man Hündin Lupa mit Medical Trainerin / TFA / Hundetrainerin Rebekka Fuchs beim Zähne putzen. Diesen Ablauf hat sie durch das Medical Training gelernt und hat keine Ängste oder Probleme mit dem Vorgang des Zähne putzens. .



Happy Visits


Zusätzlich können sogenannte Happy Visits durchgeführt werden – das sind Praxisbesuche ohne jegliche Anforderung und ohne Ernstbezug. Ihr Tier muss dabei weder auf die Waage steigen und „Sitz“ machen, noch auf den Behandlungstisch springen, sich ins Ohr schauen lassen oder dergleichen. Für manch einen besonders ängstlichen Hund kann es bedeuten, zunächst nur am Haus der Tierarztpraxis vorbeizulaufen und auf dem Parkplatz/ vor dem Eingang oder einfach nur in der Nähe eine tolle Belohnung zu bekommen. Wie konkret ein Happy Visit (oder allgemein Medical Training) abläuft, ist ganz individuell vom Tier (und dessen Menschen) abhängig!


Happy Visit in der Tierarztpraxis in Leipzig mit Medical Trainerin Rebekka Fuchs
Happy Visit

Wichtig: Reagieren Sie auf Verhalten wie Anspringen, Fiepen, Bellen oder Mauzen sowie Nicht-Weiter-Gehen-Wollen stets freundlich und verständnisvoll! Es handelt sich dabei in aller Regel um ein Zeichen von Angst und Stress. Schimpfen oder andere Strafen verschlimmern die Situation nur und ermöglichen keinerlei positive Erfahrung für das Tier – und sind daher nicht sinnvoll.

Belohnen Sie Ihr Tier für jedes gewünschte Verhalten und das am besten großzügig! Beginnen Sie damit gern schon beim Betreten der Praxis und z.B. im Wartezimmer.


Für welche Tiere ist Medical Training sinnvoll?


Die Antwort ist kurz und lautet: für alle Tiere! Alle Tiere können stark von Medical Training profitieren. Idealerweise wird mit dem Training schon in jungem Alter begonnen, bevor das Tier negative/ unangenehme/ ängstigende Erfahrungen im Zusammenhang mit dem:der Tierärzt:in gemacht hat. So kann das Tier optimal auf die verschiedensten Untersuchungs- und Behandlungsmaßnahmen vorbereitet und unnötigem Stress vorgebeugt werden. Aber auch für ältere Tiere lohnt sich Medical Training unbedingt, ein Tier lernt (genau wie der Mensch) bis zum letzten Atemzug.


Welche medizinischen Maßnahmen können bzw. sollten trainiert werden?


Der Fokus sollte zunächst vor allem auf solchen Maßnahmen liegen, die für die meisten Tiere regelmäßig relevant sind, wie z.B. eine allgemeine Untersuchung sämtlicher Körperteile (insbesondere Augen, Ohren, Zähne, Abhören mit einem Stethoskop), rektale Fiebermessung, Verabreichen einer Spritze (z.B. für die Impfung), Eingeben von Medikamenten (Tabletten, z.B. Entwurmungstablette) oder Krallen Kürzen. Je nach Fellbeschaffenheit kann außerdem das Training der Fellpflege sinnvoll sein, bei Hunden und Kaninchen mit Schlappohren ist insbesondere die Prozedur der Ohrreinigung wichtig zu trainieren.

Abhängig von weiteren rassespezifischen und individuellen Krankheitsneigungen kann auch das Training von Maßnahmen wie bspw. Blutdruck-Messung, Zähneputzen oder Analbeutelbehandlung sinnvoll sein und in den Fokus genommen werden.


Medical Training ist für jede Behandlung beim Tierarzt wertvoll

Zusätzlich sollte bei Hunden das Anziehen und Tragen eines Maulkorbs positiv trainiert werden, sodass in einer Notfallsituation mit bspw. großen Schmerzen, der Maulkorb nicht noch als weiterer Stressor hinzukommt, sondern der Hund den Maulkorb bereits gut kennt und gern trägt.

Essentiell ist hierbei, dass ein passender sowie gut und sicher sitzender Maulkorb genutzt wird, in dem der Hund ohne Einschränkungen hecheln, kauen, trinken, gähnen und erbrechen kann. 


  • Ein gut sitzender Maulkorb ist für Behandlungen in der Tierarztpraxis sehr wichtig
  • Ein perfekt sitzender Maulkorb der Hecheln und Gähnen zulässt
  • Maulkorb als Schutz und Sicherheit für Mensch und Hund

Medical Training in unserer Praxis und bei HundundFuchs


Gern unterstützen und beraten wir Sie in Bezug auf das Medical Training mit Ihrem Haustier! Unsere Tiermedizinische Fachangestellte Rebekka Fuchs ist nicht nur TFA, sondern auch Hundetrainerin und hat bei Mindful Medical Training. eine Zusatzqualifikation als Medical Trainerin abgeschlossen. Bei uns können Sie Happy Visits / Medical Trainig in unserer Praxis gemeinsam mit Rebekka buchen. Bei Rebekka Fuchs können Sie außerdem eine professionelle Begleitung zuhause und in der Praxis buchen. Auf Ihrer Website gibt es einen kleinen Einblick: https://www.hundundfuchs.de/


Professionelle Begleitung sowie weiterführende Informationen im Format von Online Kursen finden Sie außerdem unter Mindful Medical Training https://mindful-medicaltraining.de/


2 Kommentare


Gast
21. Aug.

Darstellend deutsche Online‑Diskussionen fällt auf, dass viele Nutzer nicht auf grelle Banner achten, sondern auf die Benutzerfreundlichkeit. Manche Seiten verstecken wichtige Informationen, andere machen sie sofort sichtbar. In mehreren Threads wurde kostenlose sex cam erwähnt, weil die Navigation unkompliziert wirkte und die Details transparent waren. Solche Rückmeldungen schaffen Vertrauen bei Usern, die realistische Erfahrungen bevorzugen.

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Gast
20. Aug.

Schönen guten Tag! 😃

Ich bin zufällig auf die Seite geraten, weil ich mich über Gründe für und gegen die Kastration bei Hündinnen informieren wollte.

Vielen Dank für diese tolle Website!!!

Hier gibt es wirklich interessante Infos über verschiedeneste Themen. Habe gerade sehr interessiert den Beitrag zum medical Training gelesen, der mir sehr gut gefallen hat und Anregungen gibt! Herzlichen Dank dafür!

Leider wohne ich nicht in der Nähe zu Leipzig, um die angebotene Unterstützung nutzen zu können.

Bitte machen Sie so weiter!

Liebe Grüße

Kerstin Münstermann-Luhr

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Wir sind Mitglied im DVG (Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft ), in der DVG Fachgruppe DGT (Deutsche Gesellschaft für Tierzahnheilkunde), beim BPT ( Bundesverband für praktizierende Tierärzte) und im ISFM  (International Society Feline Medicine)

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